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Der Zukunftsforscher im Unternehmen - Warum jede Organisation einen braucht

Der Zukunftsforscher im Unternehmen ist kein Luxus für Grosskonzerne. Oder Tech-Startups mit Billardtisch in den Büros. Wir lernen, heute auf jede Veränderung schnell und flexibel zu reagieren. Trotzdem lohnt es sich für jede Organisation, eine Art «Navigationssystem» für die Zukunft zu haben. Um nicht erst dann reagieren zu müssen, wenn der Eisberg unmittelbar vor dem Schiff liegt. Was die Rolle eines «Zukunftsforschers im Unternehmen» wirklich bedeutet und warum Trendarbeit gerade in Krisenzeiten über Erfolg entscheiden kann? Die realistische Reise durch die Werkzeugkiste der Zukunftsarbeit zeigt es.


Hast du dieses leise Unbehagen auch schon einmal erlebt? Dieses Bauchgefühl? Dass «da draussen» Kräfte am Werk sind, die in keiner Excel-Tabelle auftauchen? Wann hast du wirklich realisiert, dass KI ganze Berufsbilder umschreibt? Dass sich das Konsumverhalten bspw. mit «Fast Fashion» begann, so schnell zu drehen, dass wir kaum mit Denken (und Kaufen) nachkamen? Hast du vorausgesehen, dass geopolitische Verwerfungen, Lieferketten über Nacht umstossen können?

Ein Unternehmensplan mag sich gut anfühlen. Nur hält sich die Welt selten daran. Das ist kein Pech. Das ist die fehlende Perspektive der Rolle eines Zukunftsforschers im Unternehmen. Du liest richtig: nicht immer braucht es eine Person dafür, die Rolle eines solchen reicht meist aus.


Was ein Zukunftsforscher im Unternehmen wirklich macht (Spoiler: keinen Kaffeesatz lesen)

Als Futurist geht es darum, das «Morgen» heute greifbar zu machen. Man durchforstet die Welt nach Signalen, nach kleinen Hinweisen, die darauf hindeuten, wie sich die Dinge entwickeln könnten. Diese Signale können in der Technologie, im Verhalten von Konsumenten oder in neuen Geschäftsmodellen stecken. Sie mögen heute unscheinbar erscheinen, könnten aber morgen die Welt auf den Kopf stellen. Ein Beispiel? Erinnerst du dich an die ersten «dummen» Handys (Dumbphones), die vor wenigen Jahren plötzlich ein Comeback feierten? Auch wenn wir dachten, mit den Smartphones sind die alten Nokia-Hosentelefone mit Tasten Geschichte? Und doch sind sie wieder da. Um in Zeiten, in denen «digitale Auszeiten» wieder mehr Gewicht zu erhalten, eine Renaissance zu feiern. Was gestern ein Flüstern war, kann schon heute zur Bewegung werden.


Der Begriff «Futurist» klingt nach Science-Fiction und Kaffeesatz-Lesen. Das ist falsch gedacht. Ein Zukunftsforscher (oder Foresight-Strategist, wie ihn die Angelsachsen nennen) ist im Kern ein systematischer Signalsucher. Er durchforstet Märkte, Technologien und gesellschaftliche Entwicklungen nach sogenannten Weak Signals: kleinen, scheinbar unbedeutenden Hinweisen, die andeuten, wohin sich die Dinge entwickeln könnten. Ein guter Zukunftsforscher hört das Flüstern bevor es richtig laut wird.

Das gelingt in KMU bereits indem man neugierig bleibt, andere Branchen beobachtet, viele Fachmagazine liest, zuhört, Messen besucht. Oder technischer ausgedrückt: Der Werkzeugkasten des «Futuristen» reicht von qualitativer Trendanalyse über strukturierte Szenarioplanung bis hin zu sogenannten Future Artifacts: greifbaren Artefakten aus einer möglichen Zukunft. Das kann etwa eine Stellenanzeige aus dem Jahr 2035 sein. Oder ein Prototyp eines Produkts, das es erst in 10 Jahren geben könnte. Das ist keine Spielerei. Das ist Methode (Die Future Artifacts gehören übrigens zu einem Methodenkasten «neuer» Kreativitätstechniken, die wir in Kürze in diesem Blog vorstellen werden).

Wissenschaftlicher Hintergrund: Das Institute for the Future (IFTF) in Palo Alto erforscht seit über 50 Jahren Methoden der Zukunftsforschung. Eine ihrer zentralen Erkenntnisse: Organisationen, die regelmässig strukturierte Foresight-Prozesse einsetzen, reagieren nachweislich schneller auf Marktveränderungen und treffen wesentlich robustere strategische Entscheidungen als Vergleichsgruppen ohne Foresight-Praxis (IFTF Research, 2019). Der Unterschied liegt nicht im Hellsehen – sondern im systematischen Denken in Szenarien.

Die vier Modi der Zukunftsarbeit. Welcher passt zu dir?

Nicht jede Form von Strategic Foresight passt zu jeder Organisation. Es gibt vier Grundmodi. Alle verfolgen ganz unterschiedliche Ziele. Hier sind sie:


SCAN | SCENARIO | STRATEGY | SIMULATE 


Oder kurz: 4S-Modell (ja, wir stehen auf Akronyme).


SCAN – Trendanalyse und Signalaufspürung

Du willst wissen, was sich da «draussen» verändert. Regelmässige Scans von Technologie-, Markt- und Gesellschaftstrends. Mit konkreter Relevanzfilterung für deine Branche.


SCENARIO – Szenarioplanung

Du entwickelst mehrere mögliche Zukünfte: von «alles läuft besser als erwartet» bis «wir haben ein ernstes Problem». Nicht um zu prophezeien, sondern um in jedem Fall vorbereitet zu sein.


STRATEGY – Strategische Zukunftsarbeit

Foresight-Erkenntnisse fliessen direkt in Entscheidungen ein: Produktentwicklung, HR-Planung, Marktpositionierung. Hier wird die Zukunftsforschung zum Wettbewerbsvorteil.


SIMULATE – Future Artifacts und Prototyping

Du machst die Zukunft greifbar: mit Rollenspielen oder Produktprototypen aus dem Jahr 2035. Wem das verspielt vorkommt, darf glauben: es wirkt erstaunlich gut.


Denke selbst wie ein Zukunftsforscher

Die wichtigsten Fragen für den SCAN-Modus hat SOULWORXX in einem kurzen Video auf YouTube gefunden. Mit vier konkreten Übungsfragen, die du direkt in deiner Organisation ausprobieren kannst. Wer sie einmal gestellt hat, will sie nicht mehr weglassen.



Und hier sind die vier Fragen, die im Videoclip beantwortet werden. Versucht es doch selbst einmal!

  1. Stellt euch eine «Was wäre wenn...-Frage», die eine Krisensituation in eurer Organisation auslösen könnte (bspw. «Was wäre, wenn wir keine Leute mehr für unsere XYZ-Stelle finden?»

  2. Warum könnte dies tatsächlich passieren?

  3. Was könnte sonst in diesem Kontext noch passieren?

  4. Welche Faktoren beeinflussen, warum etwas passieren wird oder nicht?


Disruption managen, bevor sie dein Unternehmen managt

Disruption kommt selten ohne Vorwarnung. Fast immer waren die Signale da. Sie wurden bloss nicht gehört. Oder sie wurden geflissentlich ignoriert. Kodak wusste von der Digitalfotografie. Nokia hatte Smartphones auf dem Radar. Taxizentralen sahen Uber kommen.

Das Muster ist immer gleich: Warnsignale werden als zu klein, zu früh oder zu unwahrscheinlich abgetan. Genau hier setzt strukturierte Trendforschung an. Nicht als Alarmanlage. Als strategischer Frühindikator.

«Ein Zukunftsforscher macht die Zukunft nicht sicherer. Er macht dich sicherer im Umgang mit Unsicherheit.»

Zukunftsarbeit in Krisenzeiten: kein Luxus, sondern Überlebensstrategie

Vielleicht denkst du jetzt: «Das klingt alles ganz überzeugend, aber bei uns läuft der Alltag gerade auf Hochdruck, wir haben definitiv anderes zu tun.» Wirtschaftsdruck, knappe Ressourcen, keine Zeit für Zukunftsphilosophie oder «wir sind ja bloss ein KMU!» Es gibt immer Gründe, warum man «etwas» nicht tun kann.


Verständlich. Und trotzdem ein Denkfehler.


Gerade in schwierigen Zeiten entscheidet Strategic Foresight für KMU und Grossorganisationen gleichermassen darüber, wer gestärkt aus dem Sturm herauskommt und wer danach reaktiv hinterherläuft. Das Gute: Zukunftsarbeit muss weder teuer noch aufwändig sein. Darum zeigen wir hier, welche (Future) Skills eine Person in eurem Unternehmen benötigt, um diese Aufgaben übernehmen zu können. Nicht täglich, nicht wöchentlich. Vielleicht mit uns zusammen. Zweimal jährlich in einem Workshop beispielsweise. Aber mehr dazu gleich nachdem ihr das folgende FUTURIST-O-METER ausprobiert habt:



Na? Habt ihr die Skills schon im Unternehmen?


Interessiert dich, wie ein Trend-Workshop aussehen könnte? Mehr dazu erfährst du auf unserer Workshop-Seite. Wollen wir spechen, wie euer persönlicher - vielleicht sogar regelmässiger Future Scan in eurem Unternehmen aussehen könnte? Füll doch deine Angaben in die nachfolgende Maske. Wir melden uns. In sehr naher Zukunft ;-) Versprochen.



Quellen & weiterführende Literatur

  1. Institute for the Future (IFTF) (2019). Foresight as a Core Organizational Competency. Palo Alto: IFTF Press.

  2. Rohrbeck, R. & Gemünden, H.G. (2011). Corporate foresight: Its three roles in enhancing the innovation capacity of a firm. Technological Forecasting and Social Change, 78(2), 231–243.

  3. Schwartz, P. (1991). The Art of the Long View: Planning for the Future in an Uncertain World. New York: Currency Doubleday.

  4. Wack, P. (1985). Scenarios: Uncharted Waters Ahead. Harvard Business Review, 63(5), 72–89.

  5. Slaughter, R.A. (2004). Futures Beyond Dystopia: Creating Social Foresight. London: RoutledgeFalmer.

  6. Dator, J. (2009). Alternative Futures at the Manoa School. Journal of Futures Studies, 14(2), 1–18.


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