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Wenn ein Megatrend zur Last wird

Heutzutage zeigt sich immer mehr, dass wir uns als Individuen oder in kleinen Gruppen «in der Welt bewegen». Der Megatrend der Individualisierung verspricht eine Welt voller Vielfalt und zahllose Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung. Die Menschen können ihre individuellen Bedürfnisse und Wünsche besser verfolgen als je zuvor. Die Individualisierung hat uns zweifellos viele Freiheiten verschafft. Wir können vieles ausprobieren, entdecken Dinge, an die wir vor Jahren noch nicht einmal gedacht haben. Wir können individuelle Reisen planen und Länder besuchen, welche unsere Vorfahren noch nicht einmal kannten. Und wenn wir Lust auf eine Party haben, organisieren wir eine. Das ist Individualität!


Die Individualisierung der Gesellschaft geht im Übrigen auch mit der Atomisierung derselben einher. In der Soziologie bezeichnet Atomisierung das Zurücktreten langfristiger Zugehörigkeiten (beispielsweise in Ehe, Familie, Communities) zugunsten einer jederzeit verfügbaren Lebensform des Einzelnen. Dem subjektiven Freiheitsgewinn steht dabei ein Verlust an sozialer Verflochtenheit gegenüber.


Wenn der Megatrend der Individualisierung zur Last wird

In Fachkreisen wird bereits diskutiert, wie stark der Megatrend der Individualisierung als positiv betrachtet werden kann oder ob man gar Gegensteuer geben müsste. Insbesondere dem Bestreben nach einer nachhaltigeren Welt spielt die Individualisierung nicht gerade in die Hand.


Individuen leben immer mehr nach dem Motto «Ich kann, also mache ich.» Das führt seit einigen Jahren auch dazu, dass gesellschaftliche Regeln oder Gesetze und Verordnungen aufgeweicht werden oder gar nicht mehr beachtet werden. Frei nach dem Motto: «Wo kein Kläger, da kein Richter.»


Der Megatrend der Individualisierung führte in den letzten beiden Jahrzehnten auch zu Phänomenen wie Massenkonsum, «Fast Fashion» oder «Fast Food». Vieles ist günstig, oftmals sogar billig. So, dass sich jede Person zu jedem Zeitpunkt (fast) alles leisten kann. Das schadet jedoch an einer anderen Stelle. Unsere Gesellschaft muss zwingend nachhaltiger werden, das ist mittlerweile eine Erkenntnis, die nur noch von wenigen angezweifelt wird. Eine nachhaltige Welt erreichen wir nur, wenn die Gesellschaft als Ganzes einen gemeinsamen Weg verfolgt. Und nicht jedes Individuum das tut, worauf es gerade Lust hat.


Greenpeace Deutschland führte 2021 bzw. 2022 eine repräsentative Umfrage durch. Diese beinhaltete zwei Kernfragen: «Wie viele Kleidungsstücke besitzen Sie?» und «Wie viele Kleidungsstücke kaufen Sie jedes Jahr?» Die statistische Auswertung der Antwort auf die erste Frage ergab: 95 (ohne Unterwäsche und Socken). Und auf die zweite: 60. Das ergibt eine durchschnittliche statistische Lebensdauer von 19 Monaten pro Kleidungsstück! Obwohl - sofern die Qualität genügend hoch ist - ein Kleidungsstück über Jahre hinweg getragen werden könnte. Die Angebote in Bekleidungsläden wechseln zum Teil monatlich. Und wenn ein Stück bloss wenige Euro/Franken kostet… «Ich kann es kaufen, also mache ich es!» Wir benötigen einen Sinneswandel. Ob der Sinneswandel in unserer individualisierten Welt bei jedem einzelnem Individuum («Ich kann, also mache ich...») anfängt, ist zu bezweifeln. Doch müssen der Auslöser und Katalysator zwingend der Gesetzgeber und Regulator sein? Braucht es neue Verordnungen und Gesetze?


Als Corporate Coaches dürfen wir Unternehmen auf dem Weg begleiten, nachhaltiger zu werden. Da wollen wir auch Ratschläge und Tipps mit auf den Weg geben. Darum haben wir uns gefragt, was man aktiv tun kann, um einen gewichtigen Beitrag zu leisten. Was können Unternehmen selbstbestimmt und proaktiv tun, um dazu beizutragen, den schlechten Auswirkungen des Massentrends der Individualisierung entgegenzutreten?


Genau das wollte ich kürzlich mit ChatGPT «diskutieren» und habe mich auf einen (fast schon) philosophischen Dialog mit der KI eingelassen. Eine abgekürzte Fassung dieser Diskussion liest du nachfolgend (überall dort, wo du drei Punkte (...) siehst, gibt es in der ursprünglichen Diskussion noch mehr Text):


Ich

...Speziell beim Thema Nachhaltigkeit wird dies sichtbar: Individuen und Unternehmen müssten dasselbe tun, um die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Wenn aber die meisten Menschen nach dem Motto leben: "Ich kann, also mache ich", wie können wir die gemeinsamen Klimaziele in vernünftiger Frist erreichen? Wie können Unternehmen dem Megatrend der Individualisierung aktiv entgegenwirken, damit gemeinsame Nachhaltigkeitsziele in nützlicher Zeit erreichbar sind?


ChatGPT

…Besonders im Kontext der Nachhaltigkeit wird die Notwendigkeit gemeinsamer Ziele und Handlungen offensichtlich. Um die drängenden Herausforderungen des Klimawandels und des Umweltschutzes anzugehen, ist es erforderlich, dass die Gesellschaft als Ganzes zusammenarbeitet. Um dem Trend der Individualisierung entgegenzuwirken und gemeinsame Ziele wieder zu ermöglichen, bedarf es gezielter Strategien:


a) Bildung und Bewusstseinsbildung: Eine umfassende Bildung über die Auswirkungen individuellen Handelns auf die Gesellschaft…

b) Gemeinschaftsförderung: Durch den Aufbau und die Stärkung von Gemeinschaften können gemeinsame Ziele gefördert werden…

c) Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Unternehmen und Zivilgesellschaft: Um gemeinsame Ziele wie Nachhaltigkeit zu erreichen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren erforderlich…

d) Kommunikation und Narrativ: Es ist wichtig, eine überzeugende Erzählung zu schaffen, die gemeinsame Ziele und den Wert des kollektiven Handelns betont…

e) Politische Maßnahmen und Anreize: Die Schaffung von politischen Maßnahmen und Anreizen kann dazu beitragen, gemeinsame Ziele zu fördern…


Ich

Danke. Viele der Vorschläge basieren auf einer übergeordneten staatlichen oder gesellschaftlichen Ebene, die zwar einen grossen Impact haben, aber auch viel Zeit benötigen. Welches sind Aktivitäten und Massnahmen, die Unternehmen selbst angehen können, die Quick Wins versprechen UND einen Einfluss haben?


ChatGPT

Es gibt tatsächlich eine Vielzahl von Aktivitäten und Maßnahmen, die wir selbst in unserem Alltag umsetzen können, um einen schnellen Einfluss zu erzielen und als "Quick Wins" bezeichnet werden können. Hier sind einige Beispiele:

  1. Energieverbrauch reduzieren: Wir können unseren Energieverbrauch zu Hause senken, indem wir energieeffiziente Geräte verwenden...

  2. Verkehrsmittelwahl: Wir können versuchen, häufiger auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen, wie beispielsweise Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften…

  3. Lebensmittelverschwendung reduzieren: Indem wir bewusster einkaufen, Lebensmittel richtig lagern und Reste sinnvoll verwerten, können wir die Menge an Lebensmittelabfällen reduzieren…

  4. Vermeidung von Einwegplastik: Wir können versuchen, unseren Gebrauch von Einwegplastikprodukten wie Plastiktüten, Einwegflaschen und Einwegverpackungen zu minimieren…

  5. Lokale und nachhaltige Produkte unterstützen: Durch den Kauf von lokal produzierten und nachhaltig hergestellten Produkten können wir die Umweltauswirkungen reduzieren…

  6. Bewusster Konsum: Wir können unsere Konsumgewohnheiten überdenken und uns fragen, ob wir wirklich neue Dinge benötigen…

  7. Engagement und Bewusstseinsbildung: Wir können unser Wissen über Nachhaltigkeit erweitern und dieses Wissen mit anderen teilen…

Ich

Was allerdings, wenn der Mensch nicht "muss"? Solange die Energie da ist, benutzt man sie... Was mit Einwegplastik? Solange es welches gibt, benutzt man es, weil es bequem ist. Was mit ÖV? Wenn es bequemer ist, ins eigene Auto zu steigen und man es auch kann, so lange nimmt man das Auto...


ChatGPT

Du bringst einen wichtigen Punkt zur Sprache. Es ist wahr, dass Menschen oft den Weg des geringsten Widerstands wählen und bequeme Optionen nutzen, solange sie verfügbar sind. Der Wunsch nach Bequemlichkeit und Komfort kann dazu führen, dass wir uns gegen nachhaltigere Alternativen entscheiden. Um diesem Dilemma entgegenzuwirken, müssen Anreize und Hindernisse geschaffen werden, um nachhaltiges Verhalten attraktiver zu machen. Hier sind einige Ansätze, die helfen könnten:

  1. Gestaltung von Verhaltensänderungen: Eine Möglichkeit besteht darin, nachhaltiges Verhalten so zu gestalten, dass es bequemer und zugänglicher wird…

  2. Information und Bildung: Eine umfassende Aufklärung über die Auswirkungen unseres Verhaltens auf die Umwelt kann dazu beitragen, das Bewusstsein und die Motivation für nachhaltiges Handeln zu erhöhen…

  3. Preisgestaltung und wirtschaftliche Anreize: Preise können eine starke Motivation für Verhaltensänderungen sein. Durch die Erhöhung der Kosten für umweltschädliche Praktiken wie den Einsatz von Einwegplastik…

  4. Regulatorische Maßnahmen: Regierungen können regulatorische Maßnahmen ergreifen, um nachhaltiges Verhalten zu fördern…

  5. Vorbildwirkung: Individuen und Organisationen, die sich bereits nachhaltig verhalten, können als Vorbilder dienen und andere inspirieren, ihrem Beispiel zu folgen. Prominente, Unternehmen, Gemeinschaftsführer und Influencer können dazu beitragen…

Ich

Damit schlägst du allerdings wiederum Massnahmen auf Staatsebene vor, die viel Zeit benötigen, um umgesetzt werden zu können. Keine Quick Wins? Wie löst man diese Krux?


ChatGPT

Du hast Recht, viele der vorgeschlagenen Maßnahmen erfordern Zeit, um umgesetzt zu werden und ihre Wirkung zu entfalten. Die Herausforderung besteht darin, einen Weg zu finden, um den Wunsch nach schnellen Ergebnissen mit langfristigen Lösungen zu vereinen. Hier sind einige Ansätze, um diese Krux anzugehen:

  1. Kombination von Kurz- und Langfristmaßnahmen: Anstatt sich nur auf langfristige Lösungen zu konzentrieren, sollten wir sowohl kurzfristige als auch langfristige Maßnahmen in Betracht ziehen…

  2. Fokus auf gezielte und effektive Maßnahmen: Es ist wichtig, Maßnahmen zu identifizieren, die einen hohen Einfluss haben und relativ schnell umgesetzt werden können…

  3. Kooperation und Partnerschaften: Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren, einschließlich Regierungen, Unternehmen, NGOs und der Zivilgesellschaft, kann den Prozess beschleunigen…

  4. Innovatives Denken und Technologie: Neue Technologien und innovative Ansätze können den Weg zu schnelleren Lösungen ebnen…

  5. Bewusstseinsbildung und Motivation: Eine wichtige Komponente besteht darin, das Bewusstsein für die Dringlichkeit von Handlungen zu schärfen und Menschen zu motivieren, sich aktiv zu engagieren…

Ich

Das bedeutet, dass wir als Einzelpersonen oder als Organisation tatsächlich nur bei uns selbst ansetzen können und nichts tun können, um andere, die unseres Erachtens "auf dem falschen Weg sind" zu leiten?


ChatGPT

Nein, das bedeutet nicht, dass wir als Einzelpersonen oder Organisationen nichts tun können, um andere zu beeinflussen oder zu leiten. Obwohl wir nicht die direkte Kontrolle über die Entscheidungen und Handlungen anderer Menschen haben, können wir dennoch einen Einfluss ausüben und positive Veränderungen fördern. Hier sind einige Möglichkeiten:

  1. Vorbild sein: Indem wir selbst nachhaltige Praktiken und Verhaltensweisen annehmen, können wir andere inspirieren und dazu ermutigen, unserem Beispiel zu folgen…

  2. Kommunikation und Aufklärung: Durch den Austausch von Wissen und Informationen können wir Bewusstsein schaffen und andere über die Bedeutung von Nachhaltigkeit informieren…

  3. Zusammenarbeit und Vernetzung: Durch die Zusammenarbeit mit anderen Menschen, Organisationen oder Gemeinschaften, die ähnliche Ziele haben, können wir eine größere Wirkung erzielen…

  4. Empowerment und Teilhabe: Indem wir Menschen ermächtigen und ihnen die Werkzeuge und Ressourcen zur Verfügung stellen, können sie selbst positive Veränderungen bewirken…

  5. Dialog und Empathie: Es ist wichtig, offen für den Dialog zu sein und anderen mit Empathie zu begegnen…


An dieser Stelle habe ich die Diskussion aufgegeben und ChatGPT für dessen Einschätzung «Danke» gesagt. Ich will hiermit nicht auf Qualität der Antworten von ChatGPT eingehen. Das Sprachmodell wurde trainiert, Antworten zu geben, die auf Bestehendem basieren. Kreativ sind die Antworten nicht unbedingt. Ich will vor allem darauf hinaus, dass Organisationen/Unternehmen wohl tatsächlich nur die Möglichkeit haben, auf sich selbst zu schauen und einen eigenen, möglichst verantwortungsvollen Weg zu gehen. Frei nach Mahatma Gandhis Motto «Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.»


Fazit

Der Megatrend der Individualisierung hat - fairerweise muss dies auch noch geschrieben werden - nicht nur schlechte Seiten! Individuell zu sein, kann auch heissen, Produkte zu verwenden, die «customized», also für mich personalisiert wurden. Massgeschneidert sozusagen. Personalisierung bezieht sich im wirtschaftlichen Kontext auf die Anpassung von Produkten und Dienstleistungen an die spezifischen Bedürfnisse einzelner Kunden, damit diese massgeschneiderten Lösungen erhalten. Das kostet allerdings mehr als Massenware.


Fangen wir also bei uns selbst an. Auch Unternehmen, die von kurzfristigem Profit getrieben sind, müssen zur Erkenntnis kommen, dass es langfristig nur geht, wenn Produkte und Dienstleistungen wieder einen gewissen Wert erhalten. Das wird in vielen Fällen zu Qualitäts- und Preiserhöhungen führen. Dadurch wird bestimmt weniger konsumiert. Was wiederum zu einem Rückgang von Umsatz- und Profit führen kann.

Es führt wohl kein Weg daran vorbei, dass die Transformation eine ausgewogene Mischung aus angepasster Gesetzgebung, Verursachersteuern, Anreizen für Verhaltensänderungen von staatlicher Seite und aus weitsichtigem Wahrnehmen der unternehmerischen Verantwortung (CSR; Corporate Social Responsibility) und dem Bewusstsein, dass weniger Profit auch mehr sein kann, bestehen wird.


Unser Beitrag dazu:

Wir begleiten und coachen Organisationen, die einen Nachhaltigkeitsprozess anstossen wollen. Mehr Infos dazu gibt es über SOULWORXX/Nachhaltigkeit.

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