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Future Skill SENSEMAKING: Wie Teams in Komplexität Muster erkennen und besser entscheiden

Wir haben mehr Daten als je zuvor. Mehr Berichte, mehr Dashboards, mehr Meetings. Und trotzdem sitzen Führungsteams regelmässig zusammen und fragen sich: Warum entscheiden wir uns immer wieder falsch? Warum sehen wir Entwicklungen erst, wenn es zu spät ist? Warum hat das niemand kommen sehen – obwohl die Zeichen da waren?


Die Antwort liegt selten in fehlenden Daten. Sie liegt fast immer in fehlender Deutung. In der Fähigkeit, Muster zu erkennen, Signale richtig zu lesen – und daraus gemeinsam bessere Entscheidungen zu treffen. Genau das ist der Future Skill Sensemaking: eine der wichtigsten und gleichzeitig unterschätztesten Zukunftskompetenzen in der heutigen Arbeitswelt.

 

Was ist Sensemaking? Der Future Skill einfach erklärt

Der Begriff klingt zunächst sperrig. Sensemaking. Sinn machen. Und genau das steckt dahinter: die Fähigkeit, aus dem «Rauschen» des Alltags Bedeutung zu destillieren, Muster zu erkennen, bevor sie offensichtlich werden – und zu verstehen, was eine Situation wirklich von einem verlangt.

Der Organisationstheoretiker Karl Weick, der den Begriff in den 1990er Jahren prägte, beschrieb Sensemaking als den Prozess, durch den Menschen rückwirkend Bedeutung in ihre Erfahrungen einschreiben. Klingt abstrakt? Ist es aber nicht. Du machst es jeden Tag.


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Stell dir vor: Ein wichtiges Teammitglied wird in letzter Zeit stiller. Die Zahlen im letzten Quartal waren okay, aber irgendwie – fühlt sich etwas anders an. Ein neuer Wettbewerber taucht mit einem überraschenden Ansatz auf. Ein langjähriger Kunde stellt plötzlich ungewöhnliche Fragen.

Dein Bauchgefühl sagt, «da geht etwas im Markt, aber was?» Was passiert in deinem Kopf? Du versuchst, diese losen Fäden zu einem Bild zu verknüpfen. Du fragst dich: Was bedeutet das? Was ist hier wirklich im Gange? Das ist Sensemaking als Future Skill – und die meisten von uns tun es eher unbewusst als kompetent.


Sensemaking ist nicht das Finden von Antworten. Es ist die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen – und auszuhalten, bis ein tieferes Verstehen entsteht.

Das grosse Missverständnis: Mehr Daten lösen das Problem der Orientierung nicht

Sensemaking in Unternehmen: Warum Information allein nicht reicht

Wir leben in einer Epoche, die einem gefährlichen Irrtum erlegen ist: Wir glauben, mehr Information führe automatisch zu besserem Verstehen. Das Gegenteil ist oft wahr. Je mehr Daten in ein System fliessen, desto mehr Deutungsarbeit braucht es, um handlungsfähig zu bleiben.

Denk an die grossen Krisen der letzten Jahre – wirtschaftliche, gesellschaftliche, organisationale. Kaum eine davon kam wirklich ohne Vorwarnung. Die Signale waren da: in Zahlen, in Gesprächen, in kleinen Anomalien. Aber es fehlte ein kollektiver Rahmen, um sie zu deuten. Niemand fragte ernsthaft: Was bedeutet das alles zusammen?

Genau hier liegt der blinde Fleck vieler Sensemaking-Organisationen – oder besser: der Organisationen, die noch keine sind. Man investiert in Business Intelligence, in Dashboards, in Reporting-Tools. Aber man investiert kaum in die Kompetenz, diese Daten in Orientierung zu übersetzen. Das ist, als würde man teure Instrumente kaufen, aber nie lernen, sie zu spielen.

Und mit dem Einzug von Künstlicher Intelligenz wird dieses Problem nicht kleiner – es wird grösser. KI kann Muster erkennen, korrelieren und vorhersagen. Aber KI kann nicht entscheiden, was bedeutsam ist. Das ist zutiefst menschliche Arbeit. Es ist Sensemaking.


Warum der Future Skill Sensemaking gerade jetzt entscheidend ist

Orientierung in Unsicherheit als strategische Kompetenz

Wir operieren in einer VUCA-Welt: volatile, uncertain, complex, ambiguous. Ein Akronym, das so oft verwendet wird, dass es seinen Schrecken verloren hat. Aber die Realität dahinter ist real – und sie verschärft sich: Strategien veralten schneller als sie implementiert werden. Branchen transformieren sich nicht mehr in Jahrzehnten, sondern in Jahren. Kunden, Mitarbeitende und Märkte senden gleichzeitig widersprüchliche Signale.

In dieser Realität ist Sensemaking bei Komplexität und Unsicherheit kein Nice-to-have. Es ist Überlebensstrategie.

Führungskräfte, die diesen Future Skill beherrschen, erkennen disruptive Entwicklungen früher. HR-Verantwortliche, die Sensemaking in ihrer Organisation kultivieren, schaffen Kulturen, in denen schwache Signale - egal ob kulturell, technologisch, markt- oder kundenbezogen - nicht ignoriert, sondern kollektiv verarbeitet werden. Unternehmer:innen, die Sensemaking als Zukunftskompetenz in ihren Teams entwickeln, entscheiden nicht bloss auf Basis von Fakten – sie entscheiden auf Basis von Verstehen.


Das ist ein fundamentaler Unterschied. Und er zeigt sich spätestens dann, wenn alle dieselben Daten haben – aber nur einige die richtigen Schlüsse daraus ziehen.


Future Skill Sensemaking in der Praxis: Fünf Dimensionen

Wie Teams Muster erkennen – und was dafür gebraucht wird

Sensemaking ist keine abstrakte Theorie. Es ist eine erlernbare, trainierbare Kompetenz – mit konkreten Haltungen und Praktiken. Wer verstehen will, was Sensemaking für Führungskräfte in der Praxis bedeutet, findet hier die fünf zentralen Dimensionen:


1. Rahmenbewusstsein – Sinn erkennen, Muster verstehen

Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist – wir sehen sie, wie wir sind. Jeder Mensch trägt mentale Modelle in sich, die bestimmen, was er wahrnimmt und was er ausblendet. Wer den Future Skill Sensemaking trainiert, lernt, die eigenen Rahmen zu erkennen – und bewusst zu wechseln.

Praktische Frage: Welches Deutungsmuster wende ich hier gerade an? Und welche Alternativen würde jemand mit einer völlig anderen Erfahrungsgeschichte sehen? Diese einfache Reflexion ist der Einstieg in bessere Entscheidungen.


2. Ambiguitätstoleranz – Orientierung ohne vorschnelle Antworten

Gute Sensemaker können mit Unklarheit leben, ohne vorschnell nach einer abschliessenden Antwort zu greifen. Das ist schwieriger als es klingt: Unser Gehirn hasst Ungewissheit und tendiert dazu, Lücken mit bekannten Mustern zu füllen – auch wenn diese Muster nicht passen.

Wer Ambiguitätstoleranz entwickelt, hält die Frage länger offen. Und findet dadurch tiefere, treffendere Antworten. Gerade in komplexen Organisationen ist das eine Schlüsselfähigkeit – denn wer zu früh schliesst, verpasst, was noch nicht sichtbar ist.


3. Kollektive Deutungsarbeit – Sensemaking in der Organisation

Sensemaking ist kein Solosport. Die mächtigsten Erkenntnisse entstehen (wie in der Innovation) im Dialog – wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und gemeinsam zu einem reicheren Bild verdichtet werden.

Hier liegt eine der grössten ungenutzten Ressourcen in Unternehmen: kollektive Intelligenz (siehe dazu auch unser Future Skill Co-Creation & Collective Intelligence auf house of skills. Nicht weil die Menschen fehlen, die unterschiedlich denken. Sondern weil es keine Räume gibt, in denen diese Unterschiede produktiv werden können. Sensemaking in der Organisation heisst: solche Räume bewusst zu schaffen.


4. Narrative Kompetenz – Deutung kommunizierbar machen

Menschen denken nicht in Daten – sie denken in Geschichten. Wer Sensemaking und Entscheidungsfindung verbinden will, muss aus fragmentierten Informationen eine kohärente Erzählung formen können: Was ist passiert? Was bedeutet es? Was kommt als nächstes?

Das ist nicht Schönreden. Es ist die Fähigkeit, Bedeutung kommunizierbar zu machen – und damit handlungsleitend. Sensemaking in der Arbeitswelt ohne narrative Kompetenz bleibt eine stille Erkenntnis, die niemanden erreicht.


5. Aktions-Reflexions-Zyklus – durch Handeln verstehen

Weick beschrieb Sensemaking als rückwärtsgerichteten Prozess: Wir handeln – und dann interpretieren wir, was wir getan haben. Das klingt merkwürdig, bis man erkennt, dass Handeln oft der schnellste Weg zur Klarheit ist.

Gute Sensemaker wissen: Manchmal muss man etwas ausprobieren, um zu verstehen, was man wissen will. Und dann braucht es den Mut und die Disziplin, ehrlich zu reflektieren, was diese Erfahrung gelehrt hat. Genau darin liegt die Verbindung zwischen Sensemaking im Change Management und wirklichem organisationalen Lernen.


Sensemaking Organisation: Wenn Systeme kollektiv blind werden

Warum Sensemaking für Führung so wichtig ist

Sensemaking ist nicht nur eine individuelle Kompetenz. Es ist auch eine kollektive. Und Organisationen können systematisch gut oder schlecht darin sein – mit direkten Konsequenzen für ihre Entscheidungsqualität, ihre Innovationsfähigkeit und ihren Umgang mit Komplexität.

Organisationen bewältigen Komplexität schlecht, wenn:

  • Hierarchien verhindern, dass Informationen von unten nach oben fliessen.

  • Silodenken dazu führt, dass niemand das Gesamtbild sieht.

  • Meetings auf Effizienz getrimmt werden, so dass kein Raum für echte Deutungsarbeit entsteht.

  • Fehler vertuscht werden, anstatt als Lerngelegenheiten für kollektives Verstehen genutzt zu werden.

  • Orientierung in der Datenflut im Unternehmen erwartet wird – ohne dass jemand die Kompetenz hat, sie herzustellen.


Und sie entwickeln sich zur Sensemaking-Organisation, wenn:

  • Psychologische Sicherheit es erlaubt, unfertige Gedanken zu teilen.

  • Retrospektiven wirklich retrospektiv sind – ehrlich, nicht politisch.

  • Diversität nicht nur als Compliance-Thema behandelt wird, sondern als epistemische Ressource (Quelle, ein Mittel oder eine Voraussetzung, mit der Wissen erzeugt, geprüft, geteilt oder genutzt werden kann): Verschiedene Menschen sehen verschiedene Muster.

  • Führungskräfte Fragen stellen, bevor sie Antworten geben.

  • Sensemaking Führung als bewusste Praxis verankert ist – in Teambesprechungen, in strategischen Reviews, in Krisenreaktionen.


Die Kultur einer Organisation ist ihr kollektiver Sensemaking-Apparat. Und dieser Apparat ist entweder gut gewartet – oder er ist das grösste Risiko im Unternehmen.


Fazit: Zukunftskompetenz Sensemaking – der Skill, der viele anderen zusammenhält

Wer sich die 13 Future Skills von Soulworxx anschaut, wird feststellen: Der Future Skill Sensemaking ist einer jener Kompetenzen, die fast alle anderen befruchten. Creative Thinking wird mächtiger, wenn man weiss, welche Probleme wirklich gelöst werden müssen. Unlearning wird tiefer, wenn man versteht, welche alten Muster den Blick verstellen. Systems Thinking und Co-Creation funktionieren nur, wenn alle Beteiligten an derselben Deutung der Realität arbeiten.


Sensemaking und Entscheidungsfindung sind untrennbar. Denn wer nicht versteht, was wirklich passiert, kann keine guten Entscheidungen treffen – egal wie viele Daten vorliegen.

Und die gute Nachricht: Sensemaking als Future Skill ist trainierbar. Mit den richtigen Übungen, Reflexionsformaten, Methoden und kollektiven Praktiken können Einzelpersonen und Teams lernen, schneller, tiefer und gemeinsam zu verstehen, was wirklich los ist. Nicht, um immer recht zu haben. Sondern um in Komplexität besser zu navigieren.

In einer Welt voller Lärm ist das Wertvolle nicht mehr Information. Es ist bessere Deutung.

SOULWORXX und der Future Skill Sensemaking

Soulworxx begleitet Organisationen, Fach- und Führungskräfte bei der Entwicklung von Future Skills – jenen Zukunftskompetenzen, die in der modernen Arbeitswelt den Unterschied machen. Der Future Skill Sensemaking ist Teil unseres praxiserprobten Modells mit über 10 Schlüsselkompetenzen, das wir in individuellen Trainings, Lernreisen und Entwicklungsprogrammen erlebbar machen – für Future Skills Unternehmen, die Komplexität nicht fürchten, sondern navigieren wollen.


Nutze hier die Gelegenheit, mit dem folgenden Sensemaking-Selbstcheck deine eigene Organisation einzuschätzen. Wenn du die Fragen ehrlich beantwortest, siehst du schnell, wie hoch das Potenzial auch in eurem Unternehmen ist, in den Future Skill Sensemaking zu investieren. Lade dazu das folgende PDF-Dokument (One Pager) herunter. Es beschreibt die Fragen mit jeweils einem prägnanten Satz.



Du möchtest für eure Teams in den Skill SENSEMAKING investieren? Schreib uns einige Worte über das Formular gleich nach dem Selbstcheck. Makes sense? Macht doch Sinn, oder ;-)



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