Trends verankern: Warum Unternehmen die Zukunft zu kennen glauben und trotzdem oft unvorbereitet sind
- Markus Müller

- 5. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Trendberichte werden gelesen. In jedem Wirtschaftsmagazin wird heute inflationär über Trends berichtet. Von Technologiewellen, die auf uns zurollen, von Metatrends, die über allem stehen bis hin zu Megatrends wie Urbanisierung und Silver Society. Und trotz dem Wissen passiert oft in Organisationen wenig damit. Warum es Führungskräften und Organisationen seit Jahren nicht gelingt, Trends wirklich in Entscheidungen zu verankern, dieser Frage wollen wir in diesem Artikel auf den Grund gehen. Gleichzeitig ziehen wir eine Bilanz. Denn vor exakt 13 Jahren haben wir bereits über das gleiche Thema geschrieben.
Trends im Unternehmen verankern, das funktioniert auch 2026 noch nicht richtig
Vor 13 Jahren haben wir in diesem Blog über das gleiche Thema geschrieben. Damals haben wir dem Kind einen Namen gegeben. Wir nannten unseren Service «Trend Embedding». Im Kern absolut korrekt (Trends in die Innovationsarbeit einbetten). Nur verstand diesen Begriff kaum jemand. Und auch nicht, was wir damit meinten.
Das hat sich in den vergangenen 13 Jahren kaum verändert.
Nach wie vor ist der Ausdruck «Megatrend» in der Unternehmensentwicklung und in der Innovation omnipräsent. 2026 spricht man von «KI-Disruption», «Silver Society», «Nachhaltigkeit» oder der «Individualisierung der Gesellschaft». Alles Megatrends.
Vielleicht sagt im Meeting sogar jemand: «Das müssen wir unbedingt aufgreifen.» Dann geht das Meeting weiter, denn die nächsten Themen warten. Und im nächsten Quartal wird das Thema wieder aufgenommen. Mit neuen Trends. Und neuem Nicken.
Warum Trends nicht in Unternehmen landen: Die ernüchternde Kurzfassung
Mehr Daten. Mehr Tools. Mehr Trends. Weniger Verankerung. Das ist die unschöne Zusammenfassung des Status quo. Und sie gilt heute genauso wie vor dreizehn Jahren.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut einer Benchmark-Studie von Lucidworks mit über 6'000 Führungskräften, die mit KI-Entscheidungen zu tun haben, planten mehr 93 % der befragten Unternehmen generative KI einzuführen. Doch nur eines von vier Unternehmen hat dies dann auch wirklich getan. Das Wissen ist da, die Absicht ist ebenso. Doch der Graben zwischen Ankündigung und Umsetzung war noch nie so sichtbar. Das gilt nicht nur für KI, die Zahlen könnten beliebig auf Megatrends wie Silver Society oder Nachhaltigkeit ausgedehnt werden. Man weiss. Man kennt. Aber man tut nicht.
Wissenschaftlicher Einschub Eine Gallup-Umfrage (2025) zeigt: Nur 15 % der Mitarbeitenden wissen, was die KI-Strategie ihres Unternehmens konkret vorsieht. Laut ISG-Bericht scheitern 69 % aller KI-Initiativen beim Übergang vom Pilotprojekt in den skalierbaren Regelbetrieb. McKinsey bestätigt: Unternehmen mit ausgereifter Trendstrategie sind doppelt so häufig in der Lage, neue Entwicklungen in messbare Ergebnisse umzusetzen. Das Problem ist kein technisches, sondern ein organisationales.
Was echtes Verankern von Trends von Trendbeobachtung unterscheidet
Trendscouting schaut hin. Trendstrategie plant. Trends verankern bedeutet: handeln. Und zwar dauerhaft.
Wer nur schaut und plant, lebt in der angenehmen Illusion von Zukunftsorientierung. Wer verankert, verändert. Der Unterschied ist nicht philosophisch, er ist betriebswirtschaftlich, organisational und prozessorientiert. Unternehmen, die strategische Trendarbeit konsequent in ihre Entscheidungszyklen einbauen, reagieren nicht auf den Wandel, sondern gestalten ihn.
Das Zukunftsinstitut beschreibt Megatrends treffend als «Lawinen in Zeitlupe»: Sie kommen langsam, sind aber von enormer Wucht. Wer wartet, bis die Lawine alle sehen, fängt zu spät an zu laufen.
FATO – Warum Unternehmen beim Trend-Verankern scheitern
Wenn wir Organisationen beim Umgang mit Zukunftstrends beobachten (und das tun wir oft), erkennen wir vier wiederkehrende Muster. Wir nennen sie gerne FATO. Weil genau das vielen Trendthemen passiert:
F | A |
Fassadentrends | Aktionismus |
Wird gross angekündigt, im Jahresbericht erwähnt, in der Kommunikation gefeiert. Und dann geschieht nichts mehr. | Man reagiert. Schnell. Laut. Doch ohne Strategie. Ein KI-Tool hier, ein New-Work-Pilot dort, holt die Mitarbeitenden nach einem halben Jahr wieder zurück ins Büro. Viel Energie, keine strukturelle Verankerung, keine Wirkung. |
T | O |
Trendmüdigkeit | Organisationale Verankerung |
Man hat so viele Folien gesehen und Fachartikel gelesen, dass der stille Zynismus einsetzt. «Das sagten wir letztes Jahr auch schon.» | Die seltene, aber erreichbare Ausnahme: Unternehmen, die Zukunftswissen systematisch in Entscheidungsstrukturen bzw. Innovationsprozessen einbauen, Jahreszyklen mit Trendarbeit verknüpfen und intern übersetzen. |
Die meisten Organisationen pendeln zwischen F, A und T. Den Weg zu O nennt SOULWORXX seit 2012 Trend Embedding.
Finde jetzt selbst heraus, ob deine Organisation zu «F», «A», «T» oder «O» gehört. Mit dem folgenden kurzen und spielerischen, nicht allzu ernst gemeinten Selbsttest:
So gelingt das Verankern von Zukunftstrends in der Praxis
Die vier Bausteine für wirksame strategische Trendarbeit
Trends nachhaltig zu verankern, ist keine Methode, die man in einem Workshop erledigt. Es ist eine organisationale Fähigkeit. Und dafür braucht es Zeit, die richtige Kultur und Struktur.
Trendreviews auf Führungsebene Nicht nur im abgeschotteten Strategieteam, sondern dort, wo Entscheidungen tatsächlich fallen. Regelmässig, verbindlich, mit Konsequenzen.
Entscheidungsvorlagen mit Trendimplikationen Trendwissen, das nicht in Budgets und Projekte einfliesst, ist Dekoration. Jede strategische Entscheidungsvorlage sollte explizit benennen, welche Megatrends und KI-Trends relevant sind.
Interne Trend-Übersetzer Menschen, die Zukunftswissen in die Sprache und Realität der eigenen Organisation übersetzen. Eine der unterschätztesten Fähigkeiten in der modernen Organisationsentwicklung.
Verknüpfung mit Jahreszielen Trendarbeit, die nicht in Jahreszielzyklen landet, landet nirgends. Die Zukunft muss Termine haben.
Erkennst du FATO in deiner Organisation?
Landet Trendwissen in eurer Organisation auch in der Kiste «Halbwissen»?
Dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt, das zu ändern. Seit 2012 begleitet SOULWORXX Organisationen dabei, Trends wirklich zu verankern. Nicht als Trendscout, der Folien liefert, sondern als Umsetzungspartner, der Strukturen schafft. Die Methode heisst Trend Embedding. Der Ansatz ist derselbe geblieben, die Dringlichkeit ist jedoch gewachsen.
Das Zukunftsinstitut bezeichnet (wie weiter oben beschreiben) Trends als langsame Lawine. So oder so: Die Lawine wartet nicht auf eure nächsten Strategiemeetings. Lass uns herausfinden, welche Trends eure Organisation gerade überholen. Und was ihr dagegen tun könnt.




Kommentare