top of page

3 digitale Kreativitätstechniken. Und warum Brainstorming nicht dabei ist.

Du nimmst an einem Ideen-Workshop in deinem Unternehmen teil. Zum Einstieg erzählt die Moderatorin, dass heute «total frei gedacht» werden soll, es «keine Denkbeschränkungen» gebe und die Ideen wirklich und wahrhaftig «out of the box» sein sollen.


Im ersten Kreativblock beginnt ihr mit einem Brainstorming. Jemand sagt: «Was, wenn wir eine App machen?» Einige banale Ideen folgen. Ansonsten bleibt das Whiteboard so weiss, wie sein Name ist. Das ist keine ausserordentliche Situation. Das ist klassisches Brainstorming. Es funktioniert, aber selten entstehen die unerwarteten und disruptiven Ideen in einem Brainstorming.


Nachdenkliche Teilnehmende im Meeting – digitale Kreativitätstechniken unterstützen neue Perspektiven und strukturierte Ideenfindung.
Der Moment im Kreativ-Workshop in dem alle Teilnehmenden - trotz professioneller Moderation - vor der weissen Pinnwand stehen.

Brainstorming blockiert: Das Brainstorming-Paradox

Brainstorming wurde 1953 vom Werbemanager Alex Osborn als Kreativitätswunder angepriesen. Die Grundidee: Keine Kritik, viele Köpfe, viele Ideen. Klingt demokratisch und das ist es auch. Doch genau das ist oft das Problem. Denn Demokratie ohne Struktur produziert nicht die besten Ideen, sondern die konformsten.


Wissenschaftlicher Hintergrund

Diehl & Stroebe (1987, Universität Tübingen) verglichen Gruppen-Brainstormings mit individuellem Ideen-Generieren in über einem Dutzend Studien. Ergebnis: Einzeln arbeitende Personen oder ganz kleine Gruppen produzierten konsistent mehr und originellere Ideen als grosse Brainstorming-Gruppen. Als Hauptursache identifizierten sie die «Produktionsblockierung». Das Problem: Bei einem Brainstorming kann immer nur eine Person reden, während alle anderen zuhören, statt zu denken.

Kurz gesagt: Sobald du im Brainstorming-Kreis sitzt, verlierst du Zeit zum Denken. Und wer nichts denkt, schlägt nichts vor. Oder schlägt vor, was andere schon gesagt haben – nur etwas lauter.


Die drei Typen, die ein Brainstorming ruinieren

Und dann gibt es da noch genau jene Personentypen, die Brainstormings regelmässig wertlos machen. Nicht weil sie den Kreativprozess bewusst torpedierenr wollen. Einfach weil sie strukturiertes Arbeiten nicht in ihren «Kreativ-Genen» verankert haben:

  1. Der Assoziierer sagt alles, was ihm einfällt, Quantität vor Qualität, und das ständig.

  2. Der Schweiger denkt viel, sagt wenig und verlässt das Meeting mit der besten Idee, die er nie geäussert hat.

  3. Und der Evaluierer bewertet jeden Vorschlag so schnell, dass er gar nicht erst entstehen kann.


Alle drei entstehen nicht trotz Brainstorming, sondern wegen ihm. Denn ohne Struktur füllt jeder das Vakuum mit dem, was ihn als Typ eben ausmacht.

«Kreativität braucht keine Freiheit von Struktur, sie braucht Struktur, die Freiheit erzeugt.»

Was Kreativitätstechniken wirklich leisten

Brainstorming ist in vielen Situation angebracht. Aber in ebenso vielen Momenten macht Brainstorming unfrei. Weil die Methode als der «Standard» der Kreativitätstechniken gilt und häufig wenig radikale Ideen liefert. Gute Kreativitätsmethoden tun Folgendes: Sie ersetzen ein leeres Whiteboard (ein Brainstorming fängt auf einem ebensolchen an) durch einen Rahmen, der das Denken in Gang setzt, ohne es einzuengen. Sie geben dem Schweiger eine Struktur zum Einsteigen, dem Assoziierer einen Filter und dem Evaluierer den richtigen Moment.


Drei dieser Methoden haben wir digital aufbereitet, gerne stellen wir dir diese kurz vor.


3 digitale Kreativitätstechniken für den praktischen Gebrauch


▮▮

Morphologischer Kasten

Osborn-Checkliste & SCAMMPERR

Random Input Glücksrad

Parameter definieren, Alternativen systematisch kombinieren – zielgerichtet oder per Zufallsgenerator.

9 Denkhebel (Substituieren, Kombinieren, Adaptieren…) systematisch auf jede Herausforderung anwenden.

60 bewusst heterogene Zufallsbegriffe + 8 Assoziationen, um Denkblockaden per Zufall aufbrechen.

Kombinatorik

Variation

Analogie & Zufall


Praxistipp: Am besten arbeitest du - auf Grund der Informationsdichte innerhalb der Tools - auf einem Desktop-System oder eine Laptop. Die Tools sind bestmöglich auch für mobile Geräte optimiert, aber nicht alle funktionieren wegen der komplexen Inhalte gleich gut.


Der Morphologische Kasten: Wenn Systematik auf Kreativität trifft

Fritz Zwicky, Astrophysiker am Caltech, entwickelte den Morphologischen Kasten in den 1940er-Jahren ursprünglich für die Raketenforschung. Die Idee ist bestechend einfach: Du zerlegst ein Problem in seine Kernparameter, definierst für jeden Parameter alle denkbaren Ausprägungen und generierst neue Kombinationen. Was dabei herauskommt, übersteigt regelmässig das, was ein Brainstorming in einer Stunde produziert.

Unser Tool macht das Ganze digital: Parameter eintragen, Alternativen ergänzen, Varianten entweder gezielt zusammenstellen oder per Zufallsgenerator durchschütteln. Die Anzahl theoretisch möglicher Kombinationen erscheint dabei live in der Anzeige.



SCAMMPERR: Das Akronym, das arbeitet, während du nachdenkst

Alex Osborns ursprüngliche Checkliste wurde von Bob Eberle zur SCAMPER-Methode weiterentwickelt. Wir verwenden die erweiterte Variante SCAMMPERR. Jeder Buchstabe ist ein Hebel für neue Ideen: Substituieren, Kombinieren, Adaptieren, Modifizieren, zu anderen Zwecken einsetzen (Put to other uses), Eliminieren, Umkehren, Reduzieren. Diese digitale Kreativitätstechnik führt dich durch alle neun Perspektiven mit konkreter Fragestellung und eigenem Notizfeld. So entsteht kein Ideen-Chaos, sondern ein strukturierter und dokumentierter Denkprozess.

Der Unterschied zum klassischen Brainstorming: Du überlegst nicht, was du denken sollst. Du wirst dazu angeleitet. Das entlastet enorm und produziert nachweislich bessere Ergebnisse.



Random Input, der clevere Zufall

Edward de Bono, der Begründer des Lateral Thinking, beschrieb zufällige Inputs als eine der wirksamsten Methoden zur Überwindung von Denkblockaden. Das Prinzip: Ein zufällig gewählter, scheinbar irrelevanter Begriff erzwingt neue Verbindungen. Nicht erzwungen, sondern schlicht weil das Gehirn nicht anders kann, als nach Assoziationen zu suchen.

Unser Glücksrad enthält 60 bewusst heterogene Begriffe aus Natur, Technik, Alltagsobjekten und Atmosphäre. Nach dem Drehen generiert das Tool sofort acht passende Assoziationen zum gezogenen Kernwort. Was sich nach Spielerei anfühlt, ist kognitive Strategie: Der Zufall liefert den Umweg, den euer Gehirn allein nie genommen hätte.



Erkennst du das leere-Whiteboard-Gefühl aus deinen eigenen Meetings und Workshops? Dann sind die drei Tools genau das Richtige für dich.


Und wenn du unsere digitalen Kreativitätstechniken nicht nur im Tool, sondern direkt im Team verankern willst: Unsere Workshops zu Future Skills - darunter auch Creative Thinking mit über 20 Methoden - und Innovationskultur helfen dabei.



Quellen & weiterführende Literatur Diehl, M. & Stroebe, W. (1987). Productivity loss in brainstorming groups. Journal of Personality and Social Psychology, 53(3), 497–509.

Osborn, A. F. (1953). Applied Imagination. Scribner.

Eberle, B. (1996). Scamper: Games for Imagination Development. Prufrock Press.

De Bono, E. (1970). Lateral Thinking: Creativity Step by Step. Harper & Row.

Zwicky, F. (1969). Discovery, Invention, Research through the Morphological Approach. Macmillan.

Paulus, P. B. & Nijstad, B. A. (Eds.) (2003). Group Creativity: Innovation through

Kommentare


bottom of page