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Der Einfluss von Musik auf unsere Kreativität

Im vergangenen Jahr leitete ich einen Kreativ-Workshop, an dem auch eine blinde Frau teilnahm. Ich persönlich bin ein ausgesprochen «visueller» Mensch. Bilder lösen unheimlich viele Assoziationen in meinem Gehirn aus. Das funktioniert logischerweise bei einer sehbehinderten Person nicht! Nachdem mich die Teilnehmerin in einer Pause fragte, ob es denn nicht auch Kreativmethoden auf auditiver Basis gäbe, wurde mir bewusst, wie stark die meisten Methoden auf unser Sehorgan setzen. Wir LESEN Wörter/Begriffe und lassen uns darüber zu neuen Ideen inspirieren. Wir SEHEN Bilder/Skizzen, was unserem Gehirn oft hilft, auf neue Lösungsansätze zu kommen. Wir nehmen Gegenstände in die Hand, SCHAUEN sie uns an, und plötzlich haben wir einen Einfall für ein neues Produkt oder eine angepasste Dienstleistung.


Warum setzen also die meisten Kreativmethoden - im weitesten Sinn zumindest - auf unsere Augen? Weil es das unbestrittene Leitorgan der meisten Menschen ist. Doch auch Musik kann ein wichtiger Faktor für unsere Kreativität sein. Auch Töne und Klangbilder können Gedankenverknüpfungen auslösen. Dazu kommt, dass Musik Energie geben, uns motivieren kann. In diesem Artikel werden wir die verschiedenen Weisen untersuchen, wie Musik unser kreatives Potential beeinflussen kann.


Wie beeinflusst Musik unsere Kreativität?

Hast du schon einmal über den Einfluss von Musik auf Kreativität nachgedacht? Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Musik unser Denken beeinflussen kann, nur wirst du kaum ein Fachbuch finden, das über diese Tatsache geschrieben wurde. Doch es gibt einige Studien, die darauf hinweisen, dass Musik einen positiven Einfluss auf unsere Kreativität hat. Musik kann unser Gehirn stimulieren und uns in einen kreativeren Zustand versetzen. Dabei sind vor allem zwei Faktoren wichtig: die Art der Musik und die Art der Aufgabe, die wir bearbeiten.


Eine Studie der Universität Graz aus dem Jahr 2012 zeigte, dass Menschen, die während der Durchführung einer kreativen Aufgabe Musik hörten, kreativere Lösungen fanden als Menschen, die in einer stillen Umgebung arbeiteten. Die Art der Musik spielte dabei eine wichtige Rolle. Menschen, die während der kreativen Aufgabe klassische Musik hörten, waren kreativer als Menschen, die Popmusik hörten.


Die Hirnaktivität während des Hörens von Musik ist komplex und kann je nach Art der Musik variieren. Musik kann die Freisetzung von Dopamin im Gehirn auslösen, was zu einem Gefühl der Belohnung und des Wohlbefindens führen kann. Dies kann dazu beitragen, dass wir uns motivierter und konzentrierter fühlen, was wiederum unsere Kreativität fördert.


Musik kann auch die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gehirnregionen verbessern und unser Gehirn in einen Zustand versetzen, der als «Flow» bezeichnet wird. In diesem Zustand sind wir besonders fokussiert und kreativ. Musik kann uns auch helfen, Stress und Angst abzubauen, was uns freier und offener für neue Ideen macht.


Auditive Synektik: Ein konkreter Ansatz, Musik in der Kreativarbeit zu nutzen

Jede Kreativmethode beinhaltet einen Trigger, der in unserem Gehirn Assoziationen auslöst. Oft sind dies Wörter und Begriffe. Oder Bilder und Zeichnungen. Versucht es doch auch einmal mit Musik! Das geht so: Bestimmt einen «DJ»/eine «DJane». Macht es euch nun bequem und setzt euch in einen Sessel. Schließt die Augen und lehnt euch zurück. Der DJ bzw. die DJane spielt nun einen markanten Song an und lässt diesen für eine halbe Minute laufen. Überlegt euch hernach: Was war die erste, ganz konkrete Assoziation, die ihr zum Song hattet? Das kann bspw. «Schweiß» sein, weil du genau den Song beim letzten Workout nicht mehr aus deinen Ohren gekriegt hast. Oder «Sand». Weil besagtes Lied während dem letzten Sommerurlaub in Dauerschleife lief.


Ein konkretes Anwendungsbeispiel: Wenn ihr euch bspw. vorgenommen habt, Ideen zu sammeln, wie man den Kundenempfang bei euch in der Firma mit Wow-Effekten ausgestalten könnte, führt dies vielleicht beim Wort «Schweiß» dazu, daß Kunden beim Empfang künftig dampfende, heiße Handtücher vorfinden. Jene, die ihr jeweils im chinesischen Restaurant nach dem Essen bekommt. Oder dass für Kunden auf jeder Toilette ein ökologisches Deo bereitsteht. Bei «Sand» kommt ihr vielleicht auf die Idee, dass ihr einen Meetingraum wie eine Strandbar gestaltet. Inklusive Flipflop-Feeling und Liegestühle. Die Kunden werden sich bestimmt wohlfühlen!


Das Bild zeigt einen Becher mit Stiften, einen Voice-Recorder, ein Smartphone, einen Notizblock und einen Bluetooth-Speaker
Alles was es zur Durchführung der «auditiven Synektik» benötigt...
Was braucht ihr, um die auditive Synektik einzusetzen? Fast nichts! Gut assortierte Playlists auf Spotify, Deezer oder Tidal. Ein Smartphone, einen Bluetooth-Speaker und bequeme Sitzmöglichkeiten. Schreibblöcke, um die generierten Ideen zu notieren. Oder wenn ihr die Sehorgane komplett außen vor lassen möchtet, einen Voice Recorder, um die Ideen auditiv festzuhalten. Plus 30 - 60 Minuten Zeit. Und schon fließen die guten Ideen!

Welche Musikarten sind am besten geeignet, um unsere Kreativität zu steigern?

Das ist wohl die entscheidende Frage, die ich gleich mit einem persönlichen Erlebnis versuche zu beantworten. Vor einigen Jahren leiteten ich und meine Kolleg:innen ein Großgruppen-Kreativevent mit jugendlichen Berufstätigen. In einem Workshop-Teil führten wir auch die «Marshmallow Challenge» durch. Eine Aktivität, die in der Regel mit Upbeat-Musik untermauert wird. Ich persönlich mag dafür entspannte Dance Beats, wie sie bspw. Chill House-Musik bietet. So ließ ich entsprechende Musik laufen. Am Ende der Übung kam eine Jugendliche auf mich zu und meinte, warum ich so einschläfernde Musik aufgelegt hätte. Irritiert erklärte ich ihr, dass dies meine bevorzugte Art von aktivierender Musik wäre. Sie wiederum entgegnete mir, dass für sie dieser «Sound» höchstens zum «Chillen« in Frage komme. Aktivieren würde sie nur Death- oder Trash Metal!


Musik ist also eine Frage der Persönlichkeit, der Vorlieben und Gewohnheiten. Ausgesprochen individuell also! Und so muss auch in (Kreativ-)Workshops mit Musik gearbeitet werden: Individuell! Es gilt vorab zu fragen, ob musikalische Untermalung überhaupt für alle OK ist? Dann kommt es auf die Lautstärke an. Musik soll «Empowerment» und nicht Selbstzweck sein. Und schließlich benötigt es ein minimales Grundwissen über die Wirkung verschiedener Musikstile.


George Owen Squier war schon früh fasziniert von der Wirkung von Musik auf Menschen. 1922 gründete er das Unternehmen «Wired Radio», welches zwölf Jahre später in «Muzak» umgetauft wurde. Der Unternehmer bewunderte «Kodak» sehr und so bildete er aus den zwei Begriffen «Music» und «Kodak» die neue Marke für sein eigenes Unternehmen. Du kennst bestimmt die Firmen «Bostitch» oder «ZEWA». Speziell in der Schweiz ist ein «Bostitch» ein Synonym für einen Tacker bzw. für ein Heftgerät. «Reich mir doch schnell ein Blatt ZEWA!» Damit meint man in der Küche: «Reich mir ein Stück Küchenpapier.» Genau so war Muzak über viele Jahre hinweg ein Synonym für unaufdringliche Hintergrundmusik. Das Unternehmen aus den USA war vor allem für seine Gebrauchsmusik wie die Musikbeschallung von Ladengeschäften oder Aufzügen bekannt, weil jene Art von Musik, die Muzak produzierte verkaufsfördernd wirkte. Sie fordert nicht viel Aufmerksamkeit. Man nennt sie auch «atmosphärische Musik», weil sie dazu dient, eine entspannte und angenehme Stimmung zu schaffen. In einigen Situationen kann sie auch helfen, Aktivitäten anzustoßen, die nichts mit der Musik zu tun haben. Die von Muzak produzierte Musik war vor allem in den Genres «Jazz Balladen», «Lounge» und «Smooth Jazz» zuhause. Doch auch klassische Musik kann uns helfen, leichter und schneller zu denken und neue Ideen zu entwickeln. Natürlich funktioniert auch Chillout-Musik, Soul oder Upbeat Dance Beats. Je nach Situation, Teilnehmenden, Ziel und Umfeld.


Die Kreativität von Menschen unterstützende Musik sollte - wie weiter oben Muzak beschrieben - Hintergrundmusik sein, die keine oder wenig Aufmerksamkeit erfordert. In der Regel hilft es, wenn man Musik auswählt, die wenig Textstellen beinhaltet. Text kann ablenken, insbesondere die Texte von aktuellen Chartstürmern, die oft Ohrenwürmer sind und bei denen man gerne mitsingt oder mitschwingt. Je nach Präferenz kann es jedoch auch Hip Hop, Funk oder Disco Sound sein. Und selbstverständlich auch Popmusik!


Fazit

Es ist unbestritten, dass Musik einen Einfluss auf unser kreatives Denken und Handeln hat. Viele Menschen können sich besser konzentrieren und kreative Ideen entwickeln, wenn sie dazu Musik hören. Auch für das Schreiben von Texten kann Musik einen positiven Einfluss haben, indem sie die Kreativität anregt und die Konzentration auf bestimmte Themen fördert. Unterm Strich lässt sich festhalten, dass Musik ein wichtiger Bestandteil des kreativen Prozesses sein kann. Es ist wichtig, für sich selbst herauszufinden, welche Art von Musik einem beim kreativen Denken oder Schreiben am meisten hilft und diese dann gezielt einzusetzen.


Wir selbst, wir erstellten und pflegen über zwei Dutzend eigene Playlists, die wir auch rege in Workshops oder Trainings einsetzen. Dies in den verschiedensten Musikstilen von «Happy Pop» über «Soul», «Chillout» oder «Smooth Jazz» bis hin zu «Beach House». Drei Beispiele unserer eigenen Playlists sind in diesen Artikel integriert. Mehr davon gibt es über: eezyvibes - unsere Musikplaylists auf Spotify.


Mit der richtigen Musik kann man das kreative Potenzial voll ausschöpfen und somit noch kreativere Ergebnisse erzielen. Experimentiere also mit verschiedenen Musikstilen, bis du den perfekten Soundtrack gefunden hast, der dich zu kreativen Ideen führt.



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